Das Grabmal Oelbermann und seine Familiengeschichte  
Ein Projekt unter der Federführung von girlspace

Das Grabmal

Eins der aufwendigsten, figürlichen Grabdenkmäler auf dem Melatenfriedhof ist das der Familie Oelbermann.
Ein Engel in majestätischer Haltung hält in der rechten Hand die gesenkte Pausone zum Zeichen des Todes, während die linke einen schweren mit exotischen Blüten reich gemusterten Stoff über den Sarkophag breitet. Vor dem Zweiten Weltkrieg spannten sich Engelsflügel ausladend darüber und machten die Grabstätte noch eindrucksvoller. Leider sind sie im Krieg zerstört worden.


Foto des Grabmales aus dem Jahre 1897


Dennoch hat das Denkmal nichts von seiner imposanten Ausstrahlung verloren, ist jedoch in einem äußerst desolaten Zustand, was Verwitterung und Moosbewuchs betrifft. 1897 wurde die Grabstätte von Laura Oelbermann bei dem Bildhauer Karl Janssen, einem Düsseldorfer Künstler, der vom malerisch-dekorativen Neubarock Berliner Prägung inspieriert war, in Auftrag gegeben, nachdem ihr Ehemann Emil Oelbermann gestorben war. Sie selbst fand hier 1929 ebenfalls ihre letzte Ruhestätte.
Rechts und links des Monuments sind die Namen der Verstorbenen eingemeißelt, zu denen auch ihre fünf Kinder zählen, welche sehr früh verstorben sind.

Im Stufenunterbau lesen wir die Inschrift:
"Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe dem die Welt gegründet ward." (Joh.17,24)


          

Wirft man im Vorübergehen einen Blick auf den seiner Flügel beraubten Engel, ahnt kaum jemand, welch bewegende Familiengeschichte sich dahinter verbirgt und welch großherzige Stifterin hier ihre letzte Ruhe fand. Keine Gedenktafel erinnert an die Frau, die in besonders großzügigem Maße noch zu Lebzeiten eine Wohltäterin für viele in Not und Armut lebende Frauen und Mädchen in Köln gewesen ist.
Bis heute werden zahlreiche Institutionen aus der Emil-und Laura-Oelbermann-Stiftung sowie der Laura-von-Oelbermann-Stiftung unterstützt.

Laura Oelbermann wurde 1918 von Kaiser Wilhelm II. für ihr soziales Engagement in den Adelsstand erhoben. Eine umfangreiche Liste der ihr verliehenen Auszeichnungen, Orden und Verdienstkreuze belegen dies ebenfalls in beeindruckender Weise.

Familiengeschichte

Beginnen wir mit Emil Oelbermann. 1833 in Lennep geboren, avancierte er in jungen Jahren zum wohlhabenden Kaufmann in der Textilbranche. Ende der fünfziger Jahre wanderte er in die USA aus und war in Chicago und New York unternehmerisch außerordentlich erfolgreich tätig. Er kam dort zu legendärem Reichtum und zählte ohne Zweifel bis zu seinem Tod im Jahre 1897 zu einem der reichsten Bürger der Stadt Köln. Verheiratet war er seit Mitte der 60er Jahre mit Laura Nickel, eine junge, 1846 geborene Kölnerin, deren Eltern am Altermarkt ein kleines Bürstenwarengeschäft betrieben.

Laura Oelbermann folgte wohl ihrem Gatten nach New York. Die ersten beiden Söhne Emil und Paul, die in den USA geboren wurden, verstarben noch im Kindesalter. Dies geht aus den Grabinschriften hervor. Noch drei weitere Söhne kamen zur Welt. Doch auch ihnen war nur eine kurze Lebensdauer vergönnt. Keiner erreichte das dreißigste Lebensjahr. Dies lässt ahnen, welches bewegte und auch leidvolle Leben Laura Oelbermann im Hinblick auf ihre Kinder geführt haben muss.

Auf Bitten seiner Frau verlegte Emil Oelbermann 1878 den Wohnsitz der Familie unter Beibehaltung des New Yorker Unternehmens Oelbermann, Dommerich & Co. nach Köln. Hier führte er seine Geschäfte als Kaufmann in der Cäcilienstraße weiter, die Familie wohnte jedoch vorerst noch Unter Sachsenhausen 4, im heutigen Bankenviertel. Dann entschloss sich Oelbermann um 1889/90 zum Bau eines Palais am Hohenstaufenring 57. Im Neo-Renaissance-Stil von Hermann Pflaume erbaut, wurde es der Glanzpunkt dieser Straße. Laura Oelbermann, eine strenggläubige Protestantin, die unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes durch Stiftungen und Wohltätigkeitsprojekte, vornehmlich für evangelische Sozialeinrichtungen, an die Öffentlichkeiten trat, bestimmte testamentarisch, dieses Palais zu einem Wohnheim für berufstätige Frauen und Mädchen. Das Haus existiert heute allerdings nicht mehr. Es wurde Anfang der 80er Jahre abgerissen.

Texte: Gesine Hoffmeister / Web-Design +Fotos:: Monika Horvat Nina Rauprich &

Quellenangabe: Friedhof Melaten zu Fuß von Ilona Priebe/J.P.Bachem Verlag
In Kölner Adressbüchern geblättert Klara van Eyll/Greven Verlag (1978)
Pressestelle des ev. Stadtkirchenverbandes, Maria Al-Mana